Schaffung barrierefreier Naturerlebnisse im Naturpark Dümmer
Im Jahr 2014 wurden für den Naturpark Dümmer für die Gebietsteile Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen separate Handlungsempfehlungen für das Naturerleben im Naturpark Dümmer erarbeitet. Die Handlungsempfehlungen wurden von dem Büro „Tourismus für Alle“ (NatKo) ausgearbeitet. Das Konzept für den niedersächsischen Teil im Naturpark Dümmer wurde über das Förderprogramm „Natur erleben“ gefördert und 2014 abgeschlossen.
Die Handlungsempfehlungen dienen als Grundlage für das Projekt „Schaffung barrierefreier Naturerlebnisse im Naturpark Dümmer“, welches im Jahr 2016 gestartet wurde und Ende 2019 endet.
Auf Grundlage der Handlungsempfehlungen wurden von Partnerbetrieben des Naturparks (u. a. Anbietern touristischer Leistungen) erste Maßnahmen umgesetzt. Beim Naturpark Dümmer selbst, in den Mitgliedsgemeinden und auch bei vielen Leistungsanbietern, sind umfangreichere Maßnahmen erforderlich, die einer Förderung bedürfen.
Umsetzung von barrierefreien Maßnahmen im Naturpark Dümmer
Die Umsetzung der Barrierefreiheit entspricht einer vorausschauenden und nachhaltigen Gestaltung unsere Lebensumwelt. Ziel ist es, vorhandene und neue Angebote so umzusetzen, dass diese für Alle möglichst uneingeschränkt genutzt werden können. Barrierefreie Leistungen sind nicht nur auf eine spezielle Zielgruppe ausgerichtet, sondern für jeden Reisenden komfortabel. Sie tragen zu einer umfassenden Neugestaltung unserer Lebensbereiche bei und fördern die Inklusion.
In der Studie „Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (2003) wurde treffend beschrieben:
„Eine barrierefrei zugängliche Umwelt ist für zehn Prozent der Bevölkerung zwingend erforderlich, für etwa 30 bis 40 Prozent notwendig und für 100 Prozent komfortabel.“
In der gleichen Studie wurde festgestellt, dass das Naturerleben für behinderte Menschen ein noch wichtigeres Urlaubsmotiv ist als für die deutsche Durchschnittsbevölkerung und dass die bevorzugten Urlaubsgebiete gehandicapter Gäste eher in Deutschland als im Ausland liegen.
Der Naturpark Dümmer möchte barrierefreie Naturerlebnisangebote in seinem Gebiet implementieren. Um das Vorhaben zu realisieren, sollen:
- vorhandene barrierefreie Angebote gebündelt und (baulich) weiterentwickelt werden,
- in die vorhandene Infrastruktur eingebettet werden und
- über geeignete Kommunikationskanäle den Gästen zugänglich gemacht werden.
Durch die Implementierung von barrierefreien Naturerlebnisangeboten erlangt der Naturpark Dümmer sicherlich Vorbildcharakter für andere Destinationen. Schließlich stellt die Gewährleistung von Barrierefreiheit in einem Naturpark mit naturbelassenen Wegen und Flächen, Aussichtstürmen und Steigungen per se schon eine Herausforderung dar.
Auch erhofft sich der Naturpark Dümmer Synergie-Effekte innerhalb und außerhalb des Naturparks. Durch die hier beantragten barrierefreien Angebote und die daraus vermutlich resultierende zunehmende Nachfrage, werden andere Leistungsträger eingeladen, ihre Einrichtung auf Barrierefreiheit zu überprüfen und ggf. Barrieren zu entfernen bzw. spezielle Angebote zu schaffen. Außerdem können in der Umsetzung realisierte Erfahrungen (z.B. hinsichtlich der tatsächlichen Nutzung angeschaffter Fortbewegungsmittel oder geeigneter Anbieter) auch anderen Naturparken zugänglich gemacht werden. Mit Hilfe von Marketinginstrumenten sollen die Angebote nicht nur der Zielgruppe, sondern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Innovativ ist das Vorhaben auch deshalb, da der Naturpark bisher nur über wenige barrierefreie Angebote verfügt. Durch die Beteiligung der verschiedenen Kommunen des Naturparks wird erstmals eine gesamträumliche Verbesserung hinsichtlich der Barrierefreiheit gewährleistet. Durch die Mitwirkung an dem Projekt hat der Naturpark seine Mitgliedskommunen für dieses Thema sensibilisiert und bezieht sie auch bei der Umsetzung mit ein. Dies stärkt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Naturparks Dümmer.
Insgesamt 9 Naturparkgemeinden beteiligen sich an dem Projekt, wobei mindestens ein Barrierefrei-Projekt umgesetzt wird. Die meisten Maßnahmen werden von den Trägern eigenständig, manche mit Unterstützung des Naturparks Dümmer umgesetzt. Für die Maßnahmen übernehmen die Träger die Eigenanteile.
- Samtgemeinde Rehden: für Rollstuhlfahrer unterfahrbarer Picknickplatz, Schaffung eines barrierearmen Zugangs am Aussichtsturm
- Samtgemeinde Lemförde: für Rollstuhlfahrer unterfahrbarer Picknickplatz in Lembruch und Hüde
- Stadt Diepholz: Barrierefreier Naturerlebnispunkt im Müntepark
- Gemeinde Wagenfeld: Barrierefreie Lore, Schaffung eines barrierearmen Zugangs am kleinen und großen Aussichtsturm im Neustätter Moor
- Gemeinde Holdorf: Anschaffung eines Strandrollstuhls am Heidesee in Holdorf
- Gemeinde Steinfeld: für Rollstuhlfahrer unterfahrbarer Picknickplatz am Ziegeleiteich
- Gemeinde Bohmte: für Rollstuhlfahrer unterfahrbarer Picknickplatz und unterfahrbare Naturinformationstafel
- Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): für Rollstuhlfahrer unterfahrbarer Picknickplatz an der Naturschutzstation Dümmer
- Gemeinde Stemwede: Installation von Audiotafeln zum Naturerleben am Stemweder Berg und Oppenweher Moor, Schaffung eines barrierearmen Zugangs am Vogelbeobachtungsstand im Oppenweher Moor
Weitere Maßnahmen des Naturpark Dümmer
- Barrierefreie Gestaltung der Internetseite Naturpark Dümmer
- Unterrichtsmaterialien in Leichter Sprache
- Schulung der Naturparkführer in „Leichter Sprache“
- Ausarbeitung barrierefreier Routen für naturkundliche Führungen
- Sensibilisierung bzw. Schulung der Gastgeber und Leistungsanbieter
- Verbesserung der Barrierefreiheit an den Aussichtstürmen am Dümmer-See
- Anschaffung ausleihbarer technischer Fortbewegungsmittel (Geländerollstuhl)
Weitergehende Informationen finden Sie unter dem Menüpunkt „Barrierefreier Naturpark“.
